Wilhelm Diltheys Hermeneutik
Identität und Biografie als Konstruktion
Ключови думи :
Hermeneutik, Autobiographie, Geisteswissenschaften, Lebenszusammenhang, ErinnerungenАбстракт
Seine eigene Lebensgeschichte auf Basis seiner Erinnerungen zu verfassen birgt die Gefahr der Verfälschung aufgrund des unzuverlässigen Gedächtnisses. Beim hermeneutischen Konzept von Wilhelm Dilthey und seiner lebensgeschichtlichen Ganzheitsvorstellung spielt die Erinnerung eine entscheidende Rolle. Für Wilhelm Dilthey ist die Gattung Autobiographie am besten geeignet, um seine geisteswissenschaftliche Methode des Verstehens anzuwenden. Im Kontext des Subjektivitätsdiskurses der siebziger Jahre und der psychoanalytischen Erkenntnisse riefen vielen Schriftstellern Zweifel in Bezug auf den Wahrheitsgehalt einer hermeneutischen Darstellung des erinnerten Lebens hervor. Am Beispiel von Elias Canettis autobiographischen Schrift wird gezeigt, dass er psychoanalytischen Theorien zum Trotz dem hermeneutischen Ansatz folgt, indem er an Diltheys lebensgeschichtlich-biographischen Ganzheitsvorstellung festhält. Seine Überzeugung von einer ungebrochenen Erinnerung ermöglicht es ihm, seine Identität als Autor in der Autobiographie zum Ausdruck zu bringen.
Литература (библиография)
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