Judith Hermanns frühe Erzählungen – Schilderung subjektiver Befindlichkeiten oder eine kritische Zeit Diagnose?
Schlagwörter:
Distanziertheit, Künstlerszene, Globalisierung, KulturindustrieAbstract
Nach der Veröffentlichung des ersten Erzählbandes von Judith Hermann Sommerhaus, später bescheinigte die Literaturkritik Hermanns Figuren Distanziertheit und Mangel an Ehrgeiz und Initiative und situierte sie in eine Berliner Künstlerszene, die ohne große Ziele und Projekte lebt und kaum von der Außenwelt berührt wird. Der Beitrag stellt die These auf, dass sich diese Rezeption von Hermanns Frühtexten im Laufe der Zeit geändert hat und dass man heute ihre Erzählungen in einen breiteren politischen und historischen Kontext stellen kann. Vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Globalisierung erweisen sich Hermanns Texte als eine subtile Zeitdiagnose und als Kritik negativer Globalisierungsfolgen.
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