Rechtsübersetzung in Studium und Praxis
Bestandsaufnahme und Perspektiven
Schlagwörter:
Rechtsübersetzen, translatorische Ausbildung, Kompetenzen, Hochschulcurricula, Berufspraxis, EMTAbstract
Die Rechtsübersetzung zählt zu den anspruchsvollsten Arten der Fachübersetzung und nimmt somit angesichts der sprachlichen Beschaffung juristischer Texte, ihrer Verankerung in einem bestimmten Rechtssystem und der Auslegung der Rechtstermini auch in der Hochschulausbildung angehender Übersetzerinnen und Dolmetscherinnen eine Sonderstellung ein. In dem vorliegenden Beitrag wird die inhaltliche Ausrichtung des Wahlpflichtfachs Rechtsübersetzung im translatorischen Master-Studiengang Deutsche Sprache und Kultur an der Philosoph Konstantin-Universität Nitra erörtert. In Anlehnung an das Kompetenzmodell von Scarpa und Orlando (2017), das speziell für die Übersetzungskompetenz im juristischen Bereich entwickelt wurde, wird dargelegt, welche Subkompetenzen für die Anfertigung juristischer Übersetzungen unabdingbar sind und in welchem Rahmen diese im Studium zu vermitteln sind. Sowohl die Inhalte der auf die Rechtsübersetzung ausgerichteten Lehrveranstaltungen als auch die Kompetenzen sollten dabei stets an die realen und aktuellen Anforderungen der Berufspraxis angepasst werden. Darüber hinaus wird in dem vorliegenden Beitrag anhand einer Umfrage kurz skizziert, welche Anforderungen die Auftraggeberinnen (Gerichte, Staatsanwaltschaften, Polizei, Anwaltskanzleien) an die Ausbildung von Rechtsübersetzerinnen legen und welche Konsequenzen sich daraus für eine praxisnahe Hochschullehre ergeben.
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